Von Dialog, Fokus und Käse

Mein Vorwort im „bäriswiler“ zum Thema „Direkte Demokratie“
„bäriswiler“ Ausgabe 164 vom 15. November 2017 zum Download (pdf)

Ein uralter Zwist und Drang nach politischer Veränderung gipfelte diesen Herbst in einem neuen Höhepunkt. Ein Ereignis, welches unseren letzten Familienurlaub Ende September mit einer Brise politischem Touch würzte. Ausgelöst wurde dieses Beispiel „versuchter Umgehung von verfassungsrechtlichen Prozessen“ durch zwei Persönlichkeiten, versehen mit einer grossen Portion Führungskompetenz, um die (vermeintlichen) Massen für ihre Zwecke zu mobilisieren.

 

Um weder Königen, noch Ministerpräsidenten und Menschen mit Drang nach Unabhängigkeit, nahezutreten, sei das Land und die Region hier nicht namentlich erwähnt.

 

Die Beweggründe beider Parteien mögen durchaus verständlich sein. Jedoch ist der eingeschlagene Weg offensichtlich nicht ideal, denn eine Lösung wird vermutlich auch in vielen Jahren noch nicht gefunden sein.

 

Die Kombination aus einer kürzlich gelesenen Fabel von Mäusen, Zwergen, gegessenem Käsevorrat, unumgänglicher Veränderung und den oben erwähnten Geschehnissen, hat mich dazu inspiriert, mir die Schweiz in diese Situation hineinzudenken.

In dieser Fabel von Spencer Johnson ging es darum, den Umgang, den wir Menschen in der Regel mit Veränderungen pflegen, zu beschreiben. Zwei Mäuse und zwei Zwerge waren in einem Labyrinth eingesperrt. Beide Paare haben ihren gesamten Käsevorrat verspeist und waren gezwungen, sich der neuen Situation zu stellen. Während die Mäuse sich ohne nachzudenken auf die Suche nach neuem Käse machten und immer wieder neue Vorräte fanden, trauerten die beiden Zwerge dem nicht mehr vorhandenen Käse nach, ehe sich einer der beiden auf die Suche nach neuem Käse wagte – und diesen schliesslich auch fand.

Kein anderes Land kennt eine solche Herrschaftsform wie die Schweiz. Wir sind auf dem ganzen Planeten das einzige Volk, welches seine Heimat direkt mitgestalten darf. Nur die Schweiz ist so breit abgestützt. Wenn es ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt, so ist dies mit Sicherheit die Schweiz! Zugegeben: Faktoren wie persönliche Position und Status haben Einfluss auf den für eine Mitbestimmung nötigen Kraftaufwand.

Doch leider macht sich auch hierzulande der Fokusverlust breit. Anstatt sich um die Sache zu kümmern, zielt man auf Gruppen und Personen. Während diese Kräfte ihren Energiehaushalt einsetzen, um Macht zu erhalten und zu konservieren, fehlt die Energie, sich den eigentlichen Problemen zu stellen.

Zweifelsohne werden auch in Zukunft immer wieder Herausforderungen und allenfalls das eine oder andere ernste Problem auf die Schweiz, die Kantone und auch Bäriswil zukommen, denen wir uns stellen müssen! Im Gegensatz zu anderen Ländern dürfen wir jedoch auf eine gute Ausbildung und finanzielle Mittel zählen. Doch im Vergleich zu anderen Staaten wird unser wichtigster Vorteil die kleine Distanz zwischen Politik und Volk sein. Selbst wenn es nicht offensichtlich scheint, aber in der direkten Demokratie und im Milizsystem ist das Volk die Politik und die Politik das Volk! Während sich gewisse «Kreise» um Macht und Einfluss streiten, schlage ich vor, dass wir offen und kreativ auf die kommenden Herausforderungen zugehen! Wagen wir es im Dialog sachbezogene Lösungswege und mutige oder gar dumme Ideen zu «spinnen». Machen wir uns – wie die Mäuse aus der erwähnten Kurzgeschichte – auf die Suche nach neuem Käse und scheuen uns weder vor Veränderungen, noch trauern wir alten Zeiten hinterher, sondern sehen darin Chancen und Entwicklung für unser Land!

 

In diesem Sinne freue ich mich auf neuen Käse!

 

Roger Sauter
Mitglied des Gemeinderates

 

Referenz: «Die Mäusestrategie für Manager» (Who moved my Cheese?), Spencer Johnson, ISBN 978-3-7205-2122-2

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